Wenn Gott die Geschöpfe ansieht, verleiht er ihnen ihr Sein

Ich habe von einer Kraft in der Seele gesprochen.
In ihrem ersten Ausbruch ergreift sie nicht Gott, sofern er
gut ist, sie ergreift ihn auch nicht, sofern er die Wahrheit ist.
Sie sucht und sucht und dringt bis in den Grund und
ergreift Gott in seiner Einheit und in seiner Einöde,
nimmt ihn in seiner Wüste und seinem eigenen Grunde.
Darum kann sie kein Genüge finden und sucht weiter,
was das sei, das Gott in seiner Gottheit ist und
im Eigentume seiner eigenen Natur.
Nun sagt man, daß es keine größere Einung gebe als die,
daß die drei Personen ein Gott sind.
Als nächstes sagt man, keine Einung sei größer
als die zwischen Gott und der Seele.
Wenn Gottheit die Seele in einem Kusse berührt, dann seht diese
in ihrer ganzen Vollkommenheit und Seligkeit und wird bei der
ersten Berührung von der Einheit umfangen.
Da Gott die Seele als ein Ungeschaffener und Unerschaffbarer
berührt hat, wird die Seele nach der Berührung durch Gott
ebenso edel, wie Gott selber ist.
Gott berührt sie nach sich selbst.
Wenn Gott die Kreatur ansieht, gibt er ihr ihr Sein.
Wenn die Kreatur Gott ansieht, empfängt sie ihr Sein.
Die Seele hat ein vernünftiges, erkennendes Wesen.
Wo daher Gott ist, da ist die Seele, und wo die Seele ist, da ist Gott