Von den Inneren und Äußeren Werken

Auch darum bekümmere dich nicht, welches Wesen oder
welche Weise Gott jemandem zuteile.

Laß Gott in dir wirken,
überlaß ihm das Werk und kümmere dich nicht darum,
ob er natürlich oder übernatürlich wirke.

Ist doch beides sein:
Natur und Gnade.

Was geht’s dich an, was ihm für sein
Werk als tauglich erscheint, oder was er in dir oder in
einem anderen wirke?
Er soll nur wirken, wie oder wo oder auf welche Weise es ihm paßt.
Ein Mann hätte gern ein Bächlein in seinen Garten geleitet und sprach:
Sofern ich nur das Wasser hereinbekomme, da acht‘ ich nicht darauf,
welcher Art die Rinne ist, durch die es zu mir fließt, ob eisern, hölzern,
knöchern oder gar rostig; wenn mir nur das Wasser kommt.

– So machen es auch die gar falsch, die sich Sorgen darüber
machen, wodurch Gott seine Werke in dir wirke, ob es
Natur sei oder Gnade.

Laß ihn dabei nur alleine wirken
und habe du deinen Frieden.

Denn so viel bist du in Gott, soviel du in Frieden bist,
und so viel außer Gott, soviel du außer Frieden bist.

Ist etwas erst in Gott, so hat es auch Frieden:
Soviel in Gott, so viel in Frieden.

Wieviel du in Gott bist, oder ob dem
anders sei, das erkenne daran, ob du Frieden oder Un-
frieden hast.

Denn wo du Unfrieden hast, da muß der Unfriede notwendig sein,
denn Unfriede kommt aus der Kreatur und nicht aus Gott.

Auch ist nichts in Gott, das zu fürchten wäre;
alles, was in Gott ist, das ist nur zu lieben.

Ebenso ist nichts in ihm, über das man trauern müßte.