„Seht, ich sende meinen Engel vor mir her, daß er meinen Weg bereite.“

Gott gebiert seinen Sohn und wirkt in diesem Werke alle seine Werke

Nun spricht er: „Seht, ich sende meinen Engel.“
Wenn einer sagt: „Seht“, dann versteht man darunter dreierlei: etwas, das groß, oder etwas, das wunderbar, oder etwas, das selten ist.
Seht, ich sende meinen Engel, daß er die Seele bereite und läutere, damit sie das göttliche Licht empfangen möge.
Das göttliche Licht birgt sich allewege in des Engels Licht, und des Engels Licht wäre der Seele
unwillkommen und erfreute sich nicht, wenn nicht Gottes Licht darin geborgen wäre.
Gott umhüllt und bedeckt sich mit dem englischen Licht und wartet nur darauf,
heraustreten zu können und sich der Seele hingeben zu dürfen.
Ich habe schon mehrmals davon gesprochen: Wenn mich einer fragte, was Gott täte, würde ich sagen:
Er gebiert seinen Sohn und gebiert ihn allzumal neu und frisch und hat so große Lust an dem Werke, daß er
nichts anderes tut, als dieses Werk zu wirken und in ihm den Heiligen Geist und alle Dinge.
Darum spricht er: „Seht, ich.“ Wer da spricht: „ich“, der muß das Werk aufs beste vollbringen.
Niemand kann das Wort so eigentlich sprechen als der Vater.
Das Werk ist ihm so eigen, daß es niemand zu wirken vermag, es sei denn der Sohn.
In dem Werke wirkt Gott alle seine Dinge.
Wenn Gott das Werk in der Seele wirkt, ist seine Geburt sein Werk, und die Geburt ist der Sohn.
Das Werk wirkt Gott in dem Allerinnersten der Seele und so verborgen, daß weder Engel noch Heilige darum wissen,
und selbst die Seele kann nicht mehr dazu tun, als daß sie es erleidet.
Das Werk gehört Gott allein zu. Darum spricht der Vater eigentlich: „Ich sende meinen Engel.“
Ich sprach von den Engeln, die soviel Gleichheit mit Gott in sich haben und eine Durchlichtung.
In der Durchlichtung klimmen sie über sich hinaus in die Gleichheit mit Gott und
stehen Gott völlig im göttlichen Licht gegenüber, so gleich, daß sie (selbst) göttliches Werk wirken.
Die Engel, die so durchlichtet und Gott gleich sind, die ziehen und saugen Gott in sich.
Auch davon habe ich schon öfters gesprochen:
Wäre ich leer und hätte ich eine brennende Liebe und Gleichheit, ich zöge Gott ganz in mich hinein.
Ein Licht ergießt sich auf etwas und erleuchtet das, worauf es sich ergießt.
Wenn man gelegentlich sagt, das ist ein erleuchteter Mensch, so bedeutet das nicht viel.
Aber wenn das Licht ausbricht, und es bricht durch die Seele und macht sie Gott gleich und Gott verwandt,
soweit das möglich ist, und durchstrahlt sie im Inneren, dann ist das weitaus besser.
In der Einstrahlung klimmt die Seele über sich hinaus in dem göttlichen Lichte.
Hat sie dann heimgefunden und ist mit Gott vereint, dann ist sie eine Mitwirkerin.
Kein Geschöpf wirkt, allein der Vater wirkt.
Die Seele soll nimmer aufhören, bis sie des Werks so mächtig ist wie Gott.
Dann wirkt sie mit dem Vater alle seine Werke und wirkt sie einfaltig und weise und liebend.
Daß wir mit ihm so in der Einheit stünden, dazu helfe uns Gott.

Amen.